|
anfangen Pränataldiagnostik Schmerz als Geburtshelfer Kaiserschnitt Postpartale Depression Stillen |
|
PRÄNATALDIAGNOSTIK Lottes Geschichte Positionspapier zur Pränataldiagnostik Segen und Fluch der Pränataldiagnostik Das Lexikon schreibt zu Segen und Fluch: Segen - von lateinisch signare „mit einem Zeichen versehen“, durch das dem Gesegneten das Heil, der Schutz und/oder der Beistand der von ihm verehrten Gottheit beziehungsweise Götter zugesprochen wird. Die Segenserteilung erfolgt durch autorisierte Personen (Priester, Stammes- und Familienoberhäupter, Medizinmänner). Die christlichen Kirchen verstehen den Segen als eine an Gott gerichtete Bitte, das Leben der Gesegneten unter seine Heilszusagen zu stellen.
Spender des Segens sind meist mit Macht versehene Personen. Ziel des Segens ist die Förderung von Glück und Gedeihen oder die Zusicherung von Schutz und Bewahrung. Im weiteren Sinne und davon abgeleitet wird das Wort Segen auch verwendet, um Freude über ein Geschenk oder eine Situation zu beschreiben ("Dieses Kind ist ein Segen für uns"). Wenn dieses ein Segen ist, ist dann ein anderes vielleicht ein Fluch? Die Gottheit, die wir heute in der Schwangerschaft verehren ist der/die GynäkologIn. Schwangere werden von GynäkologInnen mit der Pränataldiagnostik gesegnet. Autorisierte, mit Macht versehene Personen erteilen den Segen der Pränataldiagnostik. Die Heilszusage, die die werdenden Eltern von der Pränataldiagnostik und von der/dem GynäkologIn erwarten, ist ein „gesundes Kind“, die Zusicherung von Schutz und Bewahrung vor einem behinderten Kind. Fluch - altenglisch flocan „schlagen“, in der Religionsgeschichte ein gegen Menschen, Tiere oder Sachen gerichteter, oft durch symbolische Gesten unterstützter Unheilswunsch; als Verwünschung Grundbestand archaischer Gebetswünsche. Der Fluch, der Unheilswunsch der Pränataldiagnostik trifft vor allem die Föten, bei denen eine Behinderung diagnostiziert wird, da die Diagnose vor allem bei Trisomien in den meisten Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch führt. Welche Argumente werden vorgebracht um den Segen der Pränataldiagnostik darzustellen und wie viel bleibt bei genauerer Betrachtung als Segen über und was wird davon sogar zum Fluch? Als großer Vorteil – also als Segen der Pränataldiagnostik - wird oft gesehen, dass:
Anmerkung: Die Forschung ist bestrebt Verfahren zu entwickeln, mit denen genetische Auffälligkeiten, wie Trisomie 21 immer früher, schneller und genauer erkannt werden können. Wir wissen, dass in 95 % der Fälle bei denen Trisomien festgestellt werden, ein Schwangerschaftsabbruch die Folge ist. Der „Vorteil“ wäre somit ein früherer Schwangerschaftsabbruch, der vielleicht nicht so belastend für die Frau ist, wie zu einem späteren Zeitpunkt. Der Tatsache der Selektion des Föten bleibt allerdings bestehen. Die Geburt eines Kindes mit Behinderung scheint in unserer Gesellschaft etwas so Schreckliches zu sein, dass der Abbruch der Schwangerschaft fast notwendig erscheint.
Anmerkung: Operationen im Mutterleib sind heute durchführbar. Sie sind allerdings im Versuchsstadium und ethisch zweifelhaft. Behandlungen im Mutterleib wie bei Blutgruppenunverträglichkeit oder Flüssigkeitsstau in Nieren oder Gehirn sind eine Form der vorgeburtlichen Therapie, die im individuellen Fall durchaus ein Vorteil sein können. Diese Einzelfälle rechtfertigen allerdings nicht die Screening Verfahren bei denen sich alle schwangeren Frauen dem „Risikoblick“ aussetzen müssen.
Anmerkung: Dass Eltern auf mögliche Beeinträchtigungen vorbereitet sind und sich psychisch darauf einstellen können ist für manche ein Vorteil; andere wieder möchten ihre Schwangerschaft und Geburt genießen und Maßnahmen dann ergreifen, wenn sie notwendig geworden sind. Eine Diagnose gibt keinen Aufschluss über das tatsächliche Ausmaß der Behinderung oder über deren Bedeutung und Auswirkung auf das Leben dieses Kindes. Sehr oft haben die Eltern keine realistische Vorstellung und phantasieren über ein Monster in ihrem Bauch. Der Wunsch nach einem „gesunden“ Kind ist auf der persönlichen Ebene durchaus verständlich. Trotzdem muss die gesellschaftliche Dimension der Pränataldiagnostik betrachtet werden: Durch die Pränataldiagnostik wird auf Frauen Druck ausgeübt, „gesunde“ Kinder zur Welt zu bringen. Es entsteht der Eindruck der Machbarkeit von Menschen mit bestimmten Merkmalen. Die Konsequenz daraus ist, dass Kinder, die der gewünschten Norm nicht entsprechen ausgesondert werden. Darüber hinaus wird durch das selbstverständliche Angebot der Pränataldiagnostik und der massenhafte Inanspruchnahme eine gesellschaftliche Geringschätzung von Menschen mit Behinderung zum Ausdruck gebracht.
Pränataldiagnostische Untersuchungen bieten keine hundertprozentige Sicherheit Fehlbildungen des Ungeborenen zu erkennen. Zum einen, weil keine Methode alle möglichen Defekte untersucht, zum anderen, weil alle Befunde auch Fehler aufweisen können. Außerdem entwickeln sich einige Fehlbildungen von alleine wieder zurück und die Sorgen der Eltern erweisen sich im Nachhinein als unbegründet. Wenn bei den pränataldiagnostischen Untersuchungen keine Auffälligkeiten entdeckt werden, dann wird die Methode zum Segen, zur Heilszusage – das Kind ist „gesund“. Die Pränataldiagnostik suggeriert die Machbarkeit „gesunder“ Kinder. Trotz noch so vieler Kontrollen und Untersuchungen, kann die pränatale Diagnostik keine gesunden Kinder schaffen. Sie gibt sehr viele Informationen ohne auf die Konsequenzen dieser Informationen Rücksicht zu nehmen. Bei einem pathologischen Befund wird die Methode zum Fluch. Sie bringt die werdenden Eltern in den schwerwiegenden Konflikt sich zu entscheiden für ein Leben mit einem behinderten Kind oder einem Schwangerschaftsabbruch. Ein Schwangerschaftsabbruch nach einer Diagnose heißt eine eingeleitet Geburt zu einem späten Zeitpunkt der Schwangerschaft. Die Frau muss ein vielleicht sehnlichst gewünschtes Kind zu Tode gebären. Sie ist es, die die Konsequenzen des Machbarkeitswahns und des selektiven Blickes letztendlich schmerzhaft – physisch und psychisch - tragen muss.
|
|
Sollten keine aktuellen Kurstermine sichtbar sein: das neue Kursprogramm erscheint jeweils im Jänner bzw. Juli. |